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Hilfe für verunglückte Skifahrer und Bergwanderer

Serie zum 100-jährigen Bestehen des BRK Viechtach – Heute: Die Bergwacht − eigenständige Gruppierung unter dem Dach des Roten Kreuzes

BRK Bergwacht Viechtach

Zur Stelle, wenn Wanderer am Berg Hilfe brauchen: (v. l.) Dr. Erich Festner, Korbinian Winter, Otto Sigl, Walter Winter und Sabine Haas bei einer Übung mit der „Verletzten“ Anna-Maria Sers.  − Foto: Albrecht

Viechtach. Mit 80 PS und Allrad-Antrieb windet sich das Quad den steinigen und wurzeligen, vom Regen ausgeschwemmten Pfad hinauf. Es muss schnell gehen, irgendwo auf dem Weg braucht ein Mountainbikefahrer dringend Hilfe. Er ist gestürzt, hat sich verletzt, ans Weiterfahren ist nicht zu denken. Der Mountainbiker kommt allein nicht mehr hinunter vom Berg. Doch Rettung naht. Walter Winter und sein Team von der Bergwacht Viechtach eilen dem Verunglückten zu Hilfe.
Im Sommer sind die Retter zur Stelle, wenn verletzte, erkrankte und hilflose Wanderer und Mountainbiker im unwegsamen Gelände nicht mehr weiter kommen, Erste Hilfe benötigen und abtransportiert werden müssen. Im Winter sind es die Skifahrer und Snowboarder auf den Pisten, denen die Frauen und Männer der Bergwacht Bereitschaft Viechtach nach einem Sturz zu Hilfe eilen.

60 Einsätze hatten die 44 Aktiven im vergangenen Jahr. „Das war ein Rekordjahr, eines der einsatzstärksten Jahre in unserer Geschichte, ähnlich oft mussten wir bis dahin nur 2006 im Jahr der Schneekatastrophe ausrücken“, erklärt Bergwacht-Chef Walter Winter. In den letzten Jahren sei man durchschnittlich 40 Mal im Einsatz gewesen. Doch die Tendenz geht nach oben. „Grund dafür ist, dass immer länger Ski gefahren werden kann in unserer Region wegen der Beschneiungsanlagen“, sagt Winter.

Viel zu tun hatten bereits die Gründerväter der Bergwacht Viechtach. Am 8. Mai 1937 hatte Dr. Hermann Rutz mit 15 Mitstreitern die Ortsgruppe ins Leben gerufen, nachdem die Zahl der aktiven Skifahrer immer weiter anstieg, der Tourismus zunahm und es dementsprechend immer häufiger verletzte Skifahrer gegeben hatte, die Hilfe brauchten und versorgt werden mussten. Man spezialisierte sich auf den Abtransport dieser Verletzten und ließ sich von Mitgliedern der 1911 gegründeten Rotkreuz-Kolonne in Erster Hilfe ausbilden.

Einsätze sind kein Kinderspiel

Dass die Einsätze kein Kinderspiel sind, es oft um Leben und Tod geht, das macht ein Blick ins Einsatzbuch deutlich. Darin wird berichtet von Skiunfällen, Vermisstensuchen und Totenbergungen. „Gerade eine Totenbergung ist eine besonders große psychische Belastung für die Einsatzkräfte“, betont Ausbildungsleiter Alfred Bergbauer. Bergbauer erinnert sich noch gut an einen Fall, als die Rettungskräfte zu einer Vermisstensuche ausrückten. Die Aktiven der Bergwacht fanden damals den Gesuchten am Gipfel der Käsplatte, aber nicht mehr lebend. Der Mann hatte sich erschossen. „Das war damals hart, auch, weil wir die Betreuung der Angehörigen übernahmen.“, sagt der Ausbildungsleiter. Immer wieder Thema ist bei den Zusammenkünften der schwere Unfall vom Dezember 2010, als während des Flutlichtskilaufes am Pröller mehrere Skifahrer zusammenprallten. Ein elfjähriger Bub und ein 69-jähriger Mann erlitten dabei schwere Verletzungen. Damals mussten die Bergwachtler die Schwerverletzten zur Talstation transportieren.

100 Jahre BRK Viechtach52 Jugendliche, Frauen und Männer gehören der Gruppierung derzeit an, 44 davon sind aktiv. „Wir haben keine Jugendgruppe, unseren Nachwuchs ziehen wir uns zu Hause heran, viele Kinder unserer Ehrenamtlichen sind wie ihre Mütter und Väter bei der Bergwacht aktiv“, erklärt Bergwacht-Chef Winter. Bisweilen würden aber auch Erwachsene aktiv angesprochen und gefragt, ob sie sich nicht in der Bergwacht engagieren wollen. Wer sich dafür entscheidet, investiert viel Zeit und Kraft in die ehrenamtliche Arbeit. „Die Ausbildung zum Bergretter erfordert ein hohes Maß an Lernbereitschaft. Dafür aber bekommen die Aktiven ein hochwertige und fundierte Ausbildung“, erklärt Ausbildungsleiter Alfred Bergbauer.

Auf die Aus- und Fortbildung der Bergwacht-Mitglieder und regelmäßige Übungen legt die Führungsriege der Bergwacht Viechtach sehr viel Wert. Der Ausbildungsleiter und seine Ausbilder Markus Schmelmer, Anna-Maria Sers, Andreas Troiber und Korbinian Winter schulen die Aktiven in Notfallmedizin, wie sie sich in unwegsamen Gelände bewegen müssen, im Skifahren, im Umgang mit dem Hubschrauber und im Naturschutz. Dazu treffen sich die Aktiven nicht Woche für Woche. Vielmehr setzt die Bergwacht auf Ausbildung und Übungen, drei im Sommer und drei im Winter stehen im Terminkalender der Bergwachtler, dazu Sanitätsdienste beim Bürgerfestlauf des WSV, beim Volksfestkriterium, den Mountainbike-Tagen in Sankt Englmar und beim Crosslauf in Schlatzendorf.

Besonders viel Zeit in ihre ehrenamtliche Tätigkeit investieren die Bergretter um Walter Winter, seine Stellvertreterin Sabine Haas, Kassier Simone Stieglbauer und Schriftführer Rainer Eckl aber vor allem im Winter bei den Vorsorgediensten. An ihren drei Stützpunkten in Markbuchen, auf dem Pröller und am Pröller-Nordhang halten sich dann während des Skibe-triebs und der Nachtskifahrten drei bis fünf Bergwachtler bereit, um auszurücken, wenn der Alarm geht. Dann eilen sie los auf dem Motorschlitten, mit dem Bergwacht-ATV, dem Geländewagen oder auf Skiern, um verunglückten Skifahrern zu Hilfe zu kommen. Mit dabei haben sie in einem Rucksack Verbände, Schienen, Pflaster, eine Wiederbelebungsausrücstung und ihr Funkgerät. Es gilt, schnell zum Verletzten zu kommen, Erste Hilfe zu leisten und dann zu einer Stelle zu transportieren, wo er vom Sanka abgeholt und ins Krankenhaus gebracht werden kann.

2012 wird 75-jähriges Bestehen gefeiert

Dorthin wird auch der Mountainbikefahrer gebracht, der sich bei seinem Sturz Brüche und Abschürfungen zugezogen hat. Genauso wie der Wanderer, der am Hirschenstein mit Kreislaufproblemen zusammengebrochen ist und der Gleitschirmflieger, der in einem Baum hängengeblieben ist. Sie alle haben die Aktiven der Bergwacht aus ihrer misslichen Lage befreit, sie vom Berg ins Tal gebracht und für sie einen Weitertransport mit dem Rettungswagen organisiert. Hand in Hand arbeiten die Bergwachtler da mit den Rettungsdienstlern des Roten Kreuzes, unter dessen Dach die Bereitschaft als eigenständige Gruppe agiert.

Zusammenhelfen werden alle Gruppierungen auch beim Volksfest vom 13. bis 21. August, mit dem das BRK Viechtach sein 100-jähriges Bestehen feiert. Ein Jubiläum steht dann kommendes Jahr bei der Bergwacht an. Am 28. April 2012 feiert die Bereitschaft mit einem Galaabend in der Stadthalle ihr 75-Jähriges.


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