Mama mit scharfer Zunge
Kabarettistin Martina Schwarzmann stellt ihre Volksfesttauglichkeit unter Beweis
"Braucht keine Requisiten für das Lustig-Sein: Die Kabarettistin Martina Schwarzmann am Dienstagabend auf der Bühne des Festzeltes auf dem Viechtacher Volksfest. - Foto: Ried"
Allen, denen das zu böse ist, nimmt sie den Wind aus den Segeln, indem sie ein Empörungsschnaufen aus der Menge zum Teil des Liedes macht. Ja, die junge Mama hat bei ihrem Auftritt am Dienstagabend die mehr als 1200 Menschen im Festzelt im Griff - und das nicht nur beim Lied über die "Wagerl-Grapscher". Die 32-Jährige, die im vergangenen Jahr eine Tochter geboren hat, braucht dafür nur Gitarre, Stimme, Mikrofon und ihr äußerst bewegliches Gesicht, mit dem sie die "Fressen" der Baby-Narren und anderen nachmacht.
Auf wildes Gestikulieren, Kostümwechsel und sonstiges Getöse kann sie dagegen gut verzichten. Sie kommt in Jeans und schwarzem Oberteil auf die Bühne, setzt sich auf den Stuhl, stellt sich als "die Martina" vor und legt los. Mehr als zwei Stunden lang unterhält sie die Zuhörer, manchmal singend, meistens sprechend, nie selbst lachend.
Ihr Programm "Wer Glück hat kommt" ist trotz "Schwangerschafts-" und anschließender "Stilldemenz" in den Beschreibungen bedeutender und weniger bedeutender Alltagsszenen gewohnt präzise. Lustig daran ist, dass sie auch über das spricht, was alle in diesen Situationen gerne machen würden - falls ihnen etwas so Tolles einfiele, wie der Schwarzmann und sie sich das auch trauen würden: Der ständig über das Wetter jammernden Oma etwa durch Kleinanzeigen stundenweise Betreuung verschaffen - "denn wer Zeit hat, sich gebrauchte Blumenkästen abzuholen, hat auch Zeit zum Ratschen". Oder die "Feinde im Untergrund", die Maulwürfe, mit der Hansi-Hinterseer-Weihnachts-CD zu bekämpfen und den Borkenkäfer mit einem "Biber an der Leine".
Trotz aller Respektlosigkeit: Das Markenzeichen der Kabarettistin ist ihre Bodenhaftung. Auf einem Bauernhof in Überacker ist sie aufgewachsen, in einen Bauernhof hat sie eingeheiratet und auch auf der Bühne haben es ihr die kleinen Dinge rund um Haus und Hof besonders angetan: Über den "Massentourismus" im Ameisenhaufen sinniert sie, über Laubsauger und über das Bulldog-Fahren.
Als angenehm empfinden viele, dass Schwarzmanns Pointen im Gegensatz zu den meisten ihrer Kabarett-Kolleginnen nur selten unter die Gürtellinie zielen: Die Geschichte, in der ein String-Bikini, ein vorgebliches Intim-Piercing mit einer Kette, zum Darauftreten lang genug, und ein Stück Kalbsgulasch eine Rolle spielen, bleibt eine Ausnahme in ihrem Programm.
Dafür ist sie flexibel genug, um zwischendurch auch auf die Viechtacher Verhältnisse einzugehen: Die Atmosphäre im Festzelt zwischen Gläserspülmaschine drinnen und Musik von den Fahrgeräten draußen vergleicht sie mit einem "Open-Air-Auftritt neben dem Wasserfall auf dem Discoparkplatz". Meist ist sie jedoch nett zum Publikum. So artig, wie sie sich vorgestellt hat, verabschiedet sie sich nach zwei Zugaben auch und wünscht ein "schönes Jubiläumsfest" und noch "schöne Sommerferien".
| [ zur Hauptübersicht ] | [ nach oben ] |
| < Zurück | Weiter > |
|---|









