Retter aus luftiger Höhe
Echtflugübung für "Ergänzende Besatzungsmitglieder" − 15 Teilnehmer und 4 Ausbilder der Bergwacht üben am Breitenauer Riegel
Zum Abseilen stand der Hubschrauber über dem Breitenauer Riegel in der Luft, Organisator Armin Leuchter hatte das Geschehen vom Gipfel aus fest im Blick. Am Boden bereiteten die Bergwachtler den Verletzten für den Abtransport im Bergesack vor (Bild unten). Dafür müssen auch der Helm und die Schutzbrille richtig sitzen. − Fotos: Pöschl
Greising. Die Motorengeräusche sind ohrenbetäubend laut, der Wind von den Rotorblättern zieht einem fast die Füße weg, Staubpartikel fliegen durch die Luft und brennen in den Augen – wenn ein Hubschrauber direkt über einem steht, flößt das gehörigen Respekt ein. Die Retter der Bergwacht dürfen sich davon aber nicht irritieren lassen. Bei einem Einsatz mit Helikopter müssen sie sich darauf konzentrieren, alle Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten und dem Bordteam im Hubschrauber die richtigen Zeichen zu geben. Und sich dann natürlich mit einem Verletzten in die Luft ziehen lassen.
Kooperation mit der Bundespolizei
Diese Situation wurde am Samstag am Breitenauer Riegel geübt. Die Bergwacht Region Bayerwald arbeitete dafür mit einer Fliegerstaffel der Bundespolizei zusammen, die mit einem Hubschrauber des Typs EC 155 mit Außenwinde anflog. In unwegsamem Gelände kann mit der Unterstützung aus der Luft die Rettung einer verletzten Person vereinfacht werden. Nicht nur in den Alpen kann das nötig werden, sondern bisweilen auch in Mittelgebirgen.

Die Echtflug-Übung ist für alle gedacht, die "Ergänzende Besatzungsmitglieder" sind oder sich gerade zu solchen ausbilden lassen. Sie dürfen bei einer Hubschrauberrettung mitfliegen. 15 Teilnehmer und vier Ausbilder von den Bergwachten Zwiesel, Viechtach, Straubing, Ruhmannsfelden und Deggendorf fanden sich am Samstag zusammen. Die Bergwacht Bayerwald holt immer wieder Hubschrauber zu Übungszwecken in den Bayerischen Wald.
Ein eigenes Flugobjekt für diese Zwecke gibt es hier nicht. Der Kostenaufwand für einen Hubschrauber mit Winde ist enorm, eine Viertel Million Euro kostet allein das Betreiben einer Maschine mit Seilwinde im Jahr. Das lohnt sich nicht für die Region. Etwa sechs- bis zwölfmal im Jahr wird trotzdem ein Hubschrauber von auswärts hierher geholt – im vergangenen Jahr wurde auf diese Weise in Bernried eine Frau aus dem Wald geborgen, die sich bei der Holzarbeit schwer verletzt hatte (DZ berichtete).
Bei Hubschraubereinsätzen arbeitet die Bergwacht zum Beispiel mit dem ADAC, der Deutschen Rettungsflugwacht, der Bundeswehr oder eben der Bundespolizei zusammen, diese Organisationen stellen die Maschinen. Bei einem Einsatz fliegen sie zum Beispiel aus Erding, Roth oder München an, am Samstag aus Oberschleißheim. 40 Minuten dauerte der Anflug bis nach Greising. "Das erscheint zunächst natürlich lang. Doch gerade bei schweren Verletzung ist ein Hubschraubereinsatz sicherer", erklärt Armin Leuchter, Verantwortlicher für die Luftrettung der Region Bayerwald und Lehrgangsmanager im Ausbildungszentrum Bad Tölz. "Beim Abtransport mit einem Akia muss der Verletzte erst den Berg hinuntergetragen werden, dann in einen Rettungswagen umgeladen werden. Da wird man ganz schön durchgeschüttelt. Beim Hubschrauber wird man einfach hochgezogen, eingeladen und direkt zum Krankenhaus geflogen. Von hier aus ist man im Deggendorfer Klinikum in einer Minute."
Einsätze mit Hubschrauber sind in unserer Region nicht alltäglich, umso wichtiger ist für die Bergwachtler die Übung, damit sie im Ernstfall Sicherheit haben. Einmal im Jahr fahren sie deswegen nach Bad Tölz, dort gibt es ein spezielles Ausbildungszentrum, wo in einer Halle das Abseilen an einer Winde an einem Flugsimulator geübt werden kann. Trotzdem – sich tatsächlich in der Luft aus 40 Metern Höhe abseilen zu lassen, ist noch einmal eine ganz andere Erfahrung. Deswegen versucht die Bergwacht, im Bayerischen Wald mindestens einmal im Jahr Echtflugübungen durchzuführen. In diesem Jahr fand am Arber bereits eine Übung statt, nun auch am Oberbreitenauer Riegel.
Sechs bis zwölf Einsätze pro Jahr in der Region
Die Sicherheit stand an oberster Stelle, vor dem Flug erklärten die beiden Piloten Georg Roth und Josef Plank sowie Bordtechniker Markus Karl noch einmal die Handgriffe am Hubschrauber, wo man sich festhalten und mit den Füßen abstützen kann, wie man sich an der Winde sichert. "Ihr seid zu keinem Zeitpunkt ungesichert!" Das Bordteam hat die Technik im Hubschrauber unter Kontrolle. Die Leistung des Helikopters wird unter anderem von den Außentemperaturen, dem Wetter oder dem Tankgewicht beeinflusst, das alles muss berücksichtigt werden.
Im Minutentakt flog der Hubschrauber zwischen der Basisstation beim Sportplatz in Greising und dem Breitenauer Riegel hin und her. Dort wurde "ausgeladen", zweimal zwei Bergwachtler abgeseilt. Die hatten sich in Teams um den Breitenauer Riegel positioniert. Sie übten den Umgang mit ihrer Ausstattung, zu der der Bergesack gehört. In diesem befinden sich eine Vakuummatratze, Decken und eine Halskrause für den Verletzten. Auch mit Helm und Brille muss dieser geschützt werden. Bei weniger schweren Verletzungen kann der Patient mit einem Retter hochgezogen werden, bei schweren Verletzungen muss er erst in den Luftrettungsbergesack verpackt werden, in dem er zusammen mit dem Retter hochgezogen wird. Wichtigstes Zeichen bei der Rettung war der Daumen: Erst wenn dieser beim Bergwachtler nach oben geht, wird er zusammen mit dem Verletzten hochgezogen.
Robert Heilig von der Bergwacht Deggendorf hat die Übung mit organisiert. Die Mitglieder der Bergwacht machen alles ehrenamtlich, für die Ausbildung und die Übungen opfern sie ihre Freizeit. "Wir bieten eine sehr vielfältige Ausbildung an. Gerade für junge Leute ist das recht interessant. Zu der Sommer- und Winterausbildung gehören auch die Übungen mit dem Hubschrauber, auch wenn das natürlich kein alltäglicher Einsatz ist."Armin Leuchter hatte ein Auge für Sicherheitsmängel, ihm fiel gleich auf, wenn jemand nicht richtig ausgestattet war oder sich nicht richtig verhielt. "Nach der Übung sprechen wir noch einmal über die Fehler. Da muss man schon einmal hart ins Gericht gehen mit den Teilnehmern, schließlich sollen die Fehlerquellen aufgedeckt und die Gefahren minimiert werden."
"Der Stress ist hier noch einmal ein ganz anderer als bei Übungen am Flugsimulator. Da schnellt der Puls hoch", weiß Armin Leuchter. Mit der Echtflugübung soll die Nervosität vor derartigen Einsätzen abgebaut werden, die Abläufe standardisiert werden. Im Ernstfall kann dann alles reibungslos ablaufen.
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